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VERGESSEN

Elisabeth Caspar
Atelier26, Andernach

Werkdaten
Titel: Vergessen
Entstehung: 9.2025
Technik: Acryl und Öl auf Leinwand
Format: 60x60, gerahmt in schwarzer Schattenfuge
Werknummer: #WZ 5

Die sitzende Figur wirkt präsent und gleichzeitig im Auflösen begriffen. Sie ist körperlich da, doch im Gesicht ohne Kontur. Sie verweilt in einem Zustand des Aushaltens, des Daseins, der stillen, geduldigen Begleitung. Die warmen, gelblichen Flächen um sie herum erinnern an Licht, an Nähe, an Fürsorge. Gleichzeitig berühren sie den Raum, in dem Erinnerungen brüchig werden und Wahrnehmung sich entzieht. Dadurch werden jene Prozesse angedeutet, in denen Identität langsam an Klarheit verliert. Über diese Szene legt sich ein grafisches VOID: Tropfen, Übermalungen und Linien, die von Zerfall erzählen, vom Verschieben, vom Verschwinden, fast wie das langsame Entgleiten einer Persönlichkeit in einzelne Fragmente. Der weiße, gestische Bogen verbindet beide Ebenen, die ruhige Welt der Figur und die aufgerissene Struktur des VOID, als eine Berührung, ein Übergang, ein letzter Faden. Die kleinen blauen Dreiecke wirken wie ein Rest von Ordnung, ein Muster, das bleibt, wenn anderes längst verschwunden ist. So wird das Bild zu einer leisen Erzählung über das Sehen und Begleiten: über Nähe, die bestehen bleibt, wenn Worte oder Erinnerungen es nicht mehr tun. Ein Werk, das Zurückhaltung und Zärtlichkeit in eine kraftvolle, urbane Bildsprache übersetzt.

Eine stille Figur im Übergang: zwischen Nähe und Verschwinden, zwischen Fürsorge und dem langsamen Zerfransen der Erinnerung. Ein Bild über den Zwischenraum: zwischen dem, was sichtbar bleibt, und dem, was sich leise entzieht: Wahrnehmung, Begleitung und das Entgleiten von Identität.

© 2025 by Atelier26.

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