
Wahrnehmung
Der Wahrnehmungszyklus ist ein künstlerisches Forschungsprojekt über das Erleben. Neun teils großformatige Arbeiten widmen sich zentralen Formen der Wahrnehmung (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Selbstwahrnehmung, Intuition, Symbiose, Vergessen und Atem) und übersetzen sie in eine eigenständige visuelle Sprache.Die Bilder entstehen aus körperlichen Impulsen, inneren Resonanzen und der Spannung zwischen Kontrolle und Loslassen. Farbflächen, Linien und schriftliche Fragmente wirken wie Schichten einer inneren Bewegung: mal präzise gesetzt, mal impulsiv, mal suchend. Wahrnehmung zeigt sich hier nicht als Abbild, sondern als Prozess, der sich stetig neu ordnet.Der Zyklus lädt ein, selbst mitzuschwingen: mit einer Farbe, einer Erinnerung, einer Geste, einem Geruch, einem Geräusch oder einem Echo im eigenen Körper. Er versteht Wahrnehmung als Beziehung zwischen Innen und Außen, zwischen Menschen, zwischen dem Sichtbaren und dem Nicht-Ganz-Benennbaren.So wird diese Ausstellung zu einer Einladung, präsent zu werden: sehen Sie, hören Sie, spüren Sie und entdecken Sie sich selbst.

#WZ 1
SYMBIONT
Elisabeth Caspar
Entstehung: 10.2025
Technik: Acryl, Marker und Öl auf Leinwand
Format: 100x100, gerahmt in schwarzer Schattenfuge
Werknummer: #WZ 1
1490 EUR
Zwei Figuren verschmelzen miteinander und ringen zugleich um ihre eigene Freiheit. Farbkontraste, Linien und der Bibelvers „Ihr seid zur Freiheit berufen“ machen „Symbiont“ zu einem Bild über Nähe, Verantwortung und das fragile Gleichgewicht zwischen Verbundenheit und Selbstbehauptung.
„Symbiont“ zeigt zwei Gestalten, die untrennbar miteinander verbunden scheinen, nicht als klar getrennte Körper, sondern als ineinander übergehen-de Formen, die sich gegenseitig definieren. Die Linien legen nahe, dass keiner von beiden vollständig isoliert existiert. Beziehung entsteht als Verschmelzung und als Reibung. Diese Nähe ist jedoch nicht nur zärtlich. Sie ist auch riskant. Die farblichen Gegensätze - das pulsierende Rot rechts, das kühle, fragile Grün links - zeigen zwei emotionale Räume, die sich berühren und zugleich behaupten wollen. Die Figurengrenzen lösen sich an einigen Stellen auf, an anderen werden sie energisch nachgezogen. Der im Bild enthaltene Bibelvers „Ihr seid zur Freiheit berufen“ (Gal 5,13), bringt einen entscheidenden Spannungsimpuls: Freiheit ist nicht Loslösung, sondern geschieht in Beziehung. Der nachfolgende Satz verweist auf die Gefahr der Vereinnahmung und das Ringen darum, die eigene Integrität zu bewahren.
So wird „Symbiont“ zu einer visuellen Reflexion über Nähe, Freiheit und Verantwortung: Wie viel Nähe erträgt ein Mensch? Wann beginnt Auflösung? Wo entsteht echte Freiheit - in Abgrenzung oder im mutigen Miteinander?
