„Ich stehe hier“
70 Meter Präsenz, Vielfalt und Raum für Frauen in Andernach
Sichtbarkeit entsteht nicht allein durch Worte, sondern durch Erfahrung, Präsenz und gemeinsames Handeln. Unter dem Titel „Ich stehe hier“ ist in Andernach ein 70 Meter langes, partizipatives Kunstprojekt im öffentlichen Raum entstanden.

Am Zaun des alten Sportplatzes in der Koblenzer Straße, direkt gegenüber vom Jobcenter bzw. dem Fitnessstudio INTRAIN, macht eine temporäre Installation sichtbar, was im Alltag oft übersehen wird: Frauen sind präsent, verbunden und in ihrer ganzen Vielfalt Teil dieses Raumes. Insgesamt sind so 17 eindrucksvolle Bannerflächen entstanden, die dort für vier Monate zu sehen sind.
Der Anstoß zu diesem Werk kam ursprünglich von der Familienbildungsstätte Andernach, die mich für ein Projekt zum Weltfrauentag angefragt hatte. Aus diesem ersten Impuls entwickelte ich das künstlerische Konzept für eine Wandfläche im öffentlichen Raum. Das diese Fläche nun fast 80 Meter lang geworden ist, ist der Stadtverwaltung Andernach zu verdanken, die kurzerhand den Zaun an der künftigen Baustelle im öffentlichen Raum zur Verfügung stellte. Also übernahm ich die künstlerische Leitung und gestaltete den Prozess als verbindende Kunstaktion.
Was wir tragen und was gesehen werden muss
Mit dieser Arbeit wollte ich einen Raum schaffen, der eine wesentliche gesellschaftliche Realität aufgreift. Frauen tragen in unserer Gesellschaft unendlich viel. Sie übernehmen Care-Arbeit, pflegen Angehörige, organisieren den Alltag von Familien, halten ehrenamtliche Strukturen lebendig und prägen das Zusammenleben auf allen Ebenen. Doch genau diese essenziellen Aufgaben werden im Alltag viel zu oft als selbstverständlich wahrgenommen. Sie geschehen im Hintergrund, leise und ohne große Bühne.
Das Projekt „Ich stehe hier“ setzt genau hier an. Es weist darauf hin, dass die Vielfalt der Leistungen und der Verantwortung von Mädchen und Frauen mehr Gehör, Wertschätzung und echte Präsenz erfahren müssen.

Ein besonderer Glücksfall für das Projekt war das Engagement der Andernacher Stadträtin Anna Greiner, der Frau unseres Oberbürgermeisters, die nicht nur spontan die Schirmherrschaft übernahm, sondern mit großem Einsatz zahlreiche Gruppen aktivierte und die Aktion dadurch erst so richtig ins Rollen brachte. Vielen Dank, liebe Anna!
Vom Auftakt zur Vielfalt der Stadtgesellschaft
Der Startschuss fiel am 5. September im Rahmen der Andernacher Kulturnacht. Schon an diesem ersten Abend gestalteten zahlreiche Passantinnen begeistert die ersten Bannerflächen. In den darauffolgenden Wochen wuchs das Projekt stetig weiter: Eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppen hinterließ schrittweise ihre Spuren auf dem Gewebe.
Mit dabei waren unter anderem: Schülerinnen aus lokalen Schulen, engagierte Frauen aus dem Ehrenamt, Bewohnerinnen aus dem Seniorenheim, Frauen aus Sportvereinen und Karneval, politisch aktive Frauen aus der Region u.v.m.
Mit einfachen, zugänglichen Mitteln wurden Körperumrisse, Handabdrücke und reduzierte Linien auf die Fläche gebracht. Durch das schrittweise Überlagern der Spuren fügten sich die vielen individuellen Gesten zu einem einzigen, vielschichtigen Gesamtkunstwerk zusammen.

Besonders für die beteiligten Schülerinnen lag in dieser Aktion eine wichtige Botschaft: Du darfst im Vordergrund stehen. Du musst deine Präsenz nicht klein halten oder deine Arbeit im Verborgenen leisten.
Im Miteinander der Generationen wurde erlebbar, dass Gemeinschaft, Stärke und der Anspruch, den eigenen Platz in der Gesellschaft selbstbewusst einzunehmen, weibliche Lebensrealitäten verbindet.

Ein leises, unübersehbares Zeichen
Es geht bei diesem Projekt nicht um Protest, sondern um eine einladende und doch unübersehbare Geste. Frauen nehmen Raum ein und stehen nebeneinander ohne sich gegenseitig Raum zu nehmen.
Wie stark diese Wirkung ist, zeigt die Rückmeldung einer Passantin beim Aufhängen der zweiten Bannerhälfte:
„Ich finde das immer so schön, wenn ich hier vorbeigehe. Man sieht direkt, dass diese Frauen zusammenstehen. Das ist ein Zeichen für: Wir stehen alle zusammen.“
Ein besonderer Dank gilt allen lokalen Partnern, Institutionen und Förderern, die dieses Vorhaben durch ihre finanzielle und materielle Unterstützung möglich gemacht haben.
Die 17 Banner bleiben noch eine Zeit lang an der Koblenzer Straße zu sehen. Nutzt die Gelegenheit beim nächsten Weg durch die Stadt für einen kleinen Zwischenstopp!
„Ich bin hier. Ich habe Raum. Ich gehöre dazu.“






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